Die Commerzbank hat sich formell an die deutsche Finanzaufsicht BaFin gewandt, was den stetigen Anteilserwerb von UniCredit an dem Kreditinstitut betrifft. Dieser Schritt zeigt, dass der Anteilsaufbau der italienischen Bank eine Schwelle überschritten hat, die nach deutschem Bankenrecht eine offizielle Prüfung erfordert. Durch die Kontaktaufnahme der Commerzbank rückt in den Fokus, was sich zu einem grenzüberschreitenden Übernahmekampf entwickeln könnte.
Eine formelle Mitteilung
Nach deutschem Bankenrecht müssen Kreditinstitute die BaFin informieren, wenn die Beteiligung eines Aktionärs bestimmte Schwellenwerte erreicht oder wenn der Anteil als potenziell gefährlich für die Unabhängigkeit des Instituts angesehen wird. Die Mitteilung der Commerzbank ist eine direkte Reaktion auf die jüngsten Käufe von UniCredit. Die italienische Bank hat die genaue Höhe ihres Anteils nicht öffentlich gemacht, aber mit der Angelegenheit vertraute Quellen sagen, dass sie in den vergangenen Wochen Aktien auf dem freien Markt gekauft hat.
Die Commerzbank lehnte es ab, sich zu den Einzelheiten ihrer Kommunikation mit der BaFin zu äußern. Auch die Aufsichtsbehörde reagierte nicht auf Anfragen nach einem Kommentar, ob sie eine formelle Prüfung eingeleitet hat. Die Mitteilung selbst löst nicht automatisch eine Untersuchung aus, setzt die BaFin jedoch davon in Kenntnis, dass eine ausländische Bank eine Beteiligung an einem großen deutschen Finanzinstitut aufbaut.
Regulatorischer Kontext
Das deutsche Bankgesetz verlangt, dass jeder Investor, der einen Anteil von 10 % oder mehr an einer inländischen Bank erwirbt, dies der BaFin meldet und eine Genehmigung einholt. Diese Schwelle soll die Stabilität und Unabhängigkeit deutscher Kreditinstitute schützen. Es ist nicht klar, ob der Anteil von UniCredit 10 % erreicht hat, aber die Tatsache, dass die Commerzbank freiwillig Kontakt mit der Aufsichtsbehörde aufgenommen hat, deutet darauf hin, dass die Beteiligung groß genug ist, um Aufmerksamkeit zu erregen.
UniCredit hat eine Geschichte strategischer Investitionen in europäische Banken. Die italienische Gruppe besitzt bereits ein bedeutendes Geschäft in Deutschland über ihre Tochtergesellschaft HypoVereinsbank. Ein größerer Anteil an der Commerzbank würde UniCredit eine starke Basis im deutschen Privat- und Firmenkundengeschäft verschaffen und möglicherweise den Wettbewerb in diesem Sektor neu gestalten.
Die BaFin hat nun die Möglichkeit, weitere Informationen von UniCredit oder der Commerzbank über den Anteil und die Absichten der italienischen Bank anzufordern. Sollte der Anteil die 10-Prozent-Schwelle erreichen oder überschreiten, müsste UniCredit formell einen Genehmigungsantrag stellen. Die BaFin könnte diesen genehmigen, mit Auflagen versehen oder den Erwerb insgesamt blockieren, wenn sie ihn als Gefahr für die ordnungsgemäße Geschäftsführung der Commerzbank ansieht.
UniCredit hat sich öffentlich nicht zu seinen Plänen geäußert. Die Bank könnte sich mit einem passiven Anteil zufriedengeben oder die Grundlage für eine vollständige Übernahme schaffen. Das Management der Commerzbank beobachtet die Entwicklung vermutlich genau, denn ein beherrschender Anteil von UniCredit könnte zu Stellenabbau und Filialschließungen führen. Die nächsten Schritte sowohl der BaFin als auch von UniCredit werden entscheiden, ob dies eine stille Aufstockung bleibt oder sich zu einem öffentlichkeitswirksamen Kampf um die Kontrolle entwickelt.




