Die Zeit läuft ab für Krypto-Unternehmen in der Europäischen Union. Am 1. Juli endet die Übergangsfrist der Markets in Crypto-Assets (MiCA)-Regelung, und jede Börse, jeder Broker oder jede Wallet ohne CASP-Lizenz muss ihre Aktivitäten einstellen. Bis heute besitzen nur 14 von 183 MiCA-zugelassenen Unternehmen eine Lizenz für Handelsplattformen – eine Tatsache, die die überwiegende Mehrheit der zuvor registrierten Firmen außen vor lässt.
Die 14 zugelassenen Börsen
Die Liste der autorisierten Börsen mit Handelsplattform-Lizenzen liest sich wie ein Who’s Who der Branche: Coinbase (über Irland), Kraken (Irland und Luxemburg), Binance (mit EU-Pass), OKX (Malta), Crypto.com (Malta), Bitstamp (Luxemburg), Bitpanda (Österreich), Bitvavo (Niederlande) und Revolut. Auffällig fehlt auf dieser Liste jede Plattform, die Tether (USDT) anbietet. Tether hat keinen MiCA-Zulassungsantrag gestellt, und keine lizenzierte Börse bietet derzeit USDT-Handelspaare an. Große Börsen wie Coinbase, Kraken, Crypto.com und Binance haben den EU-Zugang zu USDT bereits gesperrt.
Stablecoin-Umbruch
Circles USDC und EURC sind die einzigen Stablecoins unter den Top 10, die die MiCA-Vorschriften erfüllen. Das bedeutet, dass EU-Nutzer mit USDT bis zum Stichtag zwei Optionen haben: Umwandlung in USDC oder EURC oder den Transfer zu einer nicht-EU-Plattform. Die Umwandlungsrate von alten VASP-Registrierungen zu vollständigen MiCA-Zulassungen liegt bei rund 8 % – ein Hinweis darauf, dass viele kleinere Unternehmen die Compliance-Kosten zwischen 250.000 und 500.000 Euro nicht tragen konnten. Zahlreiche kleinere EU-Krypto-Unternehmen haben bereits angekündigt, den Markt zu verlassen, anstatt sich durch regulatorische Hürden zu quälen.
Wo die Lizenzen vergeben wurden
Deutschland führt mit 53 MiCA-Zulassungen – fast einem Drittel des Gesamtwerts. Es folgen die Niederlande mit 25, Frankreich mit 13 und Malta mit 12. Zehn EU- und EWR-Staaten haben hingegen keine CASP-Lizenzen erteilt: Kroatien, Estland, Griechenland, Ungarn, Island, Italien, Norwegen, Polen, Portugal und Rumänien. Estland, das einst Hunderte VASP-Lizenzen vergeben hatte, weist mittlerweile eine Umwandlungsrate nahe Null auf. Polen hat noch kein nationales MiCA-Gesetz verabschiedet. Die französische Finanzaufsicht AMF warnt, dass weiterhin unerlaubter Betrieb nach der Frist strafrechtliche Verfolgung nach sich ziehen kann.
Was Nutzer jetzt tun müssen
Für die Millionen EU-Privatanleger lautet die Botschaft klar: Überprüfen Sie, ob Ihre Börse auf der offiziellen Liste autorisierter CASP-Lizenzinhaber erscheint. Falls nicht, ziehen Sie Ihre Krypto vor dem 1. Juli um. Für nicht lizenzierte Unternehmen schrumpfen die Optionen – entweder eine Lizenz beantragen, den Betrieb einstellen, Kunden zu einem autorisierten CASP übertragen oder mit einem Lizenzinhaber fusionieren. Die Frist ist unverhandelbar, und die Zeit zum Handeln läuft schnell ab.




