Stellar (XLM) hat diese Woche CAP-77 eingeführt, einen protokolleigenen Mechanismus zur reversiblen Kontosperrung, der auf Validatorkonsens basiert. Das Upgrade ist das erste seiner Art unter den großen Layer-1-Blockchains und verleiht Stellar ein Compliance-Tool, das Konkurrenten wie Bitcoin und Ethereum auf der Basisschicht fehlt.
Wie der Sperrmechanismus funktioniert
Im Rahmen von CAP-77 können Validatoren durch Konsens die Sperrung eines bestimmten Kontos kollektiv genehmigen. Die Sperrung ist reversibel: Eine zweite Konsensrunde kann das Konto wieder entsperren. Im Gegensatz zu zentralisierten Stablecoin-Blacklists – bei denen ein einziger Emittent die Liste kontrolliert – ist der Mechanismus von Stellar im Protokoll verankert und erfordert die Zustimmung des Validatorensets des Netzwerks. Keine einzelne Partei hat die Macht, Gelder unilateral zu sperren oder freizugeben.
Eine reversible, konsensbasierte Sperrung adressiert direkt einen langjährigen Konflikt in der Kryptowelt: Blockchains sind unveränderlich, aber Regulierungsbehörden und Unternehmen benötigen oft die Fähigkeit, auf Betrug, Diebstahl oder Sanktionsverstöße zu reagieren. CAP-77 gibt die Dezentralisierung nicht vollständig auf – die Sperrung erfolgt nur, wenn eine Supermehrheit der Validatoren zustimmt, und sie kann rückgängig gemacht werden. Das positioniert Stellar als attraktiver für tokenisierte Vermögenswerte, Überweisungen und Projekte für digitale Zentralbankwährungen (CBDCs), bei denen Compliance unverhandelbar ist.
Eine Premiere unter den großen L1s
Die Entwickler von Stellar bezeichnen CAP-77 als Premiere für eine große Layer-1-Blockchain. Während einige kleinere Netzwerke oder Sidechains Sperrfunktionen erprobt haben, besitzt keine der 20 nach Marktkapitalisierung größten Chains eine native, validatorenbasierte reversible Sperrung. Der Schritt könnte Stellar helfen, Unternehmenskunden zu gewinnen, die aufgrund der Unveränderlichkeit von Blockchains in regulierten Umgebungen bisher zögerten.
Im Gegensatz zu Smart-Contract-basierten Sperrungen auf Ethereum ist CAP-77 direkt in das Protokoll integriert – keine Vertragsbereitstellung oder Abhängigkeit von Dritten erforderlich. Das reduziert Komplexität und Angriffsfläche, bedeutet aber auch, dass das gesamte Netzwerk dem Upgrade zustimmen muss.
Nächste Schritte für den Vorschlag
CAP-77 durchläuft nun den Standard-Upgrade-Prozess von Stellar Core. Validatoren und Knotenbetreiber müssen über den Governance-Mechanismus des Netzwerks ihre Unterstützung signalisieren, bevor die Funktion im Mainnet aktiviert wird. Die Stellar Development Foundation hat noch keinen konkreten Zeitplan für die Implementierung bekannt gegeben. Der Vorschlag steht zur Überprüfung durch die Community und zum Testen im Testnetz zur Verfügung.



