Die US-amerikanischen Rohölpreise sind am Montag auf über 90 Dollar pro Barrel gestiegen – der jüngste Sprung, angetrieben durch die eskalierenden Konflikte im Nahen Osten. Dieser Schritt markiert einen neuen Meilenstein für einen Markt, der seit Wochen angespannt ist.
Was steckt hinter dem Anstieg?
Die Rallye kommt, während die geopolitischen Risiken in der ölreichen Region weiter zunehmen. Händler preisen die Möglichkeit von Versorgungsunterbrechungen ein, obwohl bisher kein großer Produzent vom Netz genommen wurde. Die 90-Dollar-Marke ist eine psychologische Schwelle – es ist der höchste Stand seit dem Oktober 2023, als die Preise kurzzeitig 93 Dollar erreichten, bevor sie wieder zurückgingen.
Brent-Rohöl, der internationale Referenzpreis, stieg ebenfalls, bleibt aber unter seinen jüngsten Höchstständen. Der Spread zwischen den beiden Benchmarks hat sich ausgeweitet, was die stärkeren Auswirkungen auf US-Sorten durch Raffinerieausfälle und Pipeline-Engpässe widerspiegelt, die bereits vor den aktuellen Spannungen bestanden.
Was die Prognosemärkte sagen
Auf Polymarket, einer dezentralen Wettplattform, sehen Händler eine Wahrscheinlichkeit von 7,2 %, dass die Ölpreise bis zum 30. September ein neues Allzeithoch erreichen. Diese Wahrscheinlichkeit steigt auf 16,5 % für das Jahresende. Das Allzeithoch für US-Rohöl liegt bei 147,27 Dollar, erreicht im Juli 2008.
Die Quoten sind alles andere als sicher – eine 16,5%ige Chance bedeutet grob eine 83,5%ige Chance, dass die Preise bis Dezember unter diesem Rekord bleiben. Aber die Richtung ist klar: Der Markt preist mehr Aufwärtsrisiken ein als noch vor einem Monat.
Kein großer Ölproduzent hat Produktionskürzungen im Zusammenhang mit dem aktuellen Konflikt angekündigt. Die USA haben nicht auf die Strategische Erdölreserve zurückgegriffen. Und die OPEC+ hat kein Notfalltreffen signalisiert. Derzeit wird die Rallye durch die Angst vor dem, was passieren könnte, angetrieben, nicht durch tatsächliche Versorgungsverluste.
Was passiert als Nächstes?
Die nächsten Wochen werden entscheidend sein. Wenn sich der Konflikt auf große Produzenten oder Engpässe wie die Straße von Hormus ausweitet, könnten die Preise weiter steigen. Wenn er sich entspannt, könnte die 90-Dollar-Marke nur vorübergehend sein. Die Prognosen der Märkte – 7,2 % bis zum 30. September, 16,5 % bis zum 31. Dezember – spiegeln diese Unsicherheit wider. Niemand setzt alles auf eine Karte für einen Rekord, aber genug Händler tun es, um die Zahlen beachtenswert zu machen.




