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Unterbrechung in der Straße von Hormus kappt fast die Hälfte der globalen Ölströme

Unterbrechung in der Straße von Hormus kappt fast die Hälfte der globalen Ölströme

Der Konflikt mit dem Iran hat die Straße von Hormus nahezu zum Stillstand gebracht: Der Schiffsverkehr ist zusammengebrochen, und etwa die Hälfte des weltweiten Öltransports auf dem Seeweg kann derzeit nicht passieren. Die Störung wirkt sich direkt auf die globale Inflation aus, bringt die Zentralbanken in eine schwierigere Lage und verändert die Dynamik der Energiemärkte in der gesamten Branche.

Die Straße unter Druck

Jahrelang war die Straße das wichtigste Öl-Gateway der Welt und beförderte etwa ein Fünftel des gesamten globalen Erdölverbrauchs. Mit den eskalierenden Feindseligkeiten ist die Schifffahrtsaktivität nun drastisch gesunken. Tanker, die normalerweise auf die Durchfahrt warten würden, liegen still oder weichen auf längere, kostspieligere Routen aus.

Der Zusammenbruch ist unmittelbar und physisch. Die Lage vor Ort ist eindeutig: Fast die Hälfte der globalen Ölströme ist abgeschnitten, und es gibt keine Anzeichen für eine schnelle Rückkehr zur Normalität. Die Straße, eingeklemmt zwischen Iran und Oman, ist zu einem Engpass geworden, den niemand sicher passieren kann.

Als Reaktion halten sich die Reedereien mit neuen Buchungen zurück. Energiehändler zahlen Aufschläge für Schiffe, die noch fahren können, aber das Volumen ist einfach nicht da. Die strategische Rolle der Straße als zuverlässiger Korridor steht nun infrage.

Ein neuer Funke für die Inflation

Die Ölverknappung trifft in einem Moment ein, in dem die Inflation in den großen Volkswirtschaften bereits erhöht war. Da das Angebot abgewürgt wird, steigen die Treibstoffpreise erneut und treiben die Kosten für alles von Transport bis Fertigung in die Höhe. Das ist kein Angebotsschock, der in einem Monat abklingt; es ist ein anhaltender Druck auf das Preisniveau.

Die Haushalte in den Importländern spüren es zuerst. Aber die Wirkung breitet sich aus. Für jede Volkswirtschaft, die auf importierte Energie angewiesen ist, wird die Rechnung schwieriger: Dasselbe Barrel Öl kostet mehr, und die Kosten für den Warentransport steigen entsprechend.

Der Zeitpunkt könnte nicht schlechter sein. Viele Zentralbanken hatten gehofft, den Preisdruck durch Zinserhöhungen abzukühlen. Der Ölschock untergräbt diese Bemühungen. Steigen die Energiekosten, steigt auch die Lebenshaltungskosten, und der Zielkonflikt zwischen Inflationsbekämpfung und Wachstumsunterstützung wird deutlicher.

Zentralbanken in der Zwickmühle

Für die politischen Entscheidungsträger hat der Krieg einen angebotsseitigen Schock ausgelöst, den die Geldpolitik nicht einfach ausgleichen kann. Eine Zinserhöhung mag die Nachfrage dämpfen, aber sie wird die Straße nicht freimachen. Das eigentliche Problem ist physischer Natur: Die Barrel bewegen sich nicht, und das ist ein Problem, das Zinssätze nicht lösen können.

Die Inflationserwartungen steigen wieder, und das ist gefährlich. Wenn Unternehmen und Verbraucher zu glauben beginnen, dass hohe Preise die neue Normalität sind, handeln sie entsprechend, und die Lohn-Preis-Spirale zieht sich enger. Die Zentralbanken müssen möglicherweise reagieren, aber sie tun dies in eine sich verlangsamende Weltwirtschaft hinein.

Der Wandel verändert auch die Funktionsweise der Energiemärkte selbst. Händler kalkulieren eine längerfristige Risikoprämie für Öl ein. Das Vertrauen des Marktes in stabile Lieferketten ist gebrochen, und dieses Vertrauen wird auch dann nicht über Nacht zurückkehren, wenn die Kämpfe enden.

Die globalen wirtschaftlichen Folgen

Keine Volkswirtschaft ist isoliert. Ölimportierende Nationen sehen sich mit höheren Importrechnungen und einem Druck auf die Haushaltsbudgets konfrontiert. Besonders stark betroffen ist die Entwicklungswelt, da Treibstoffkosten die Lebensmittelpreise und Alltagsgüter verteuern. Die Kombination aus Krieg und Inflation ist ein doppelter Schlag.

Es gibt auch Anzeichen für einen strukturellen Wandel: Einige Käufer suchen nach alternativen Quellen, aber die sind begrenzt. Die Straße bleibt die Route für einen großen Teil des weltweiten Öls, und es gibt keinen Ersatz in dieser Größenordnung.

Je länger die Störung andauert, desto tiefer ist der Schaden für die Weltwirtschaft. Lieferketten, die auf Just-in-time-Lieferungen angewiesen sind, sehen sich nun unvorhersehbaren Verzögerungen gegenüber, und energieintensive Industrien spüren den Druck zuerst.

Der Krieg hat die kurzfristigen Aussichten für die Ölmärkte neu geschrieben. Was ein fragiles Gleichgewicht war, ist zu einem Verkäufermarkt geworden, und der Druck lastet sowohl auf dem Konflikt als auch auf der Energieinfrastruktur, die in der Mitte steckt. Die Frage ist nun, wie lange die Straße blockiert bleibt und wie viel höher der Preis steigen wird, bevor sie wieder geöffnet wird.