Kevin Warsh eröffnet heute seine erste Sitzung der Federal Reserve als Vorsitzender – eine Sitzung mit weitreichenden Auswirkungen auf die Kryptomärkte. Warsh, der Jerome Powell im Mai abgelöst hat, verkaufte alle seine Krypto-Bestände – darunter Solana, Compound, dYdX und einen Anteil an Flashnet – um die Ethikregeln einzuhalten. Es wird allgemein erwartet, dass die Fed die Zinsen bei der Entscheidung am Mittwoch bei 3,50 bis 3,75 Prozent belässt, doch die eigentliche Spannung liegt im Dot Plot und im Ton der begleitenden Erklärung.
Der Zinspfad und der Öl-Joker
Der Mai-Verbraucherpreisindex lag bei 4,2 Prozent, angetrieben durch Energiepreisspitzen infolge des Iran-Konflikts und der Störungen in der Straße von Hormus. Das macht eine hawkische Tendenz wahrscheinlich. Prognosemärkte schätzen die Wahrscheinlichkeit mindestens einer Zinserhöhung im Jahr 2026 nun auf 50 bis 65 Prozent. Sollte der Dot Plot eine Erhöhungsprognose statt einer Senkung zeigen, stünde Bitcoin vor Gegenwind. Eine mögliche Unterzeichnung eines US-Iran-Abkommens in der Schweiz am Freitag könnte die Ölpreise senken, aber das ist ein separates Risikoereignis.
Die Bank of Japan wird diese Woche voraussichtlich ebenfalls um 25 Basispunkte auf 1 Prozent erhöhen, was die Gegenströmungen für risikobehaftete Anlagen verstärkt.
Warshs Stil – weniger Reden, weniger Forward Guidance
Warsh hat signalisiert, dass er weniger reden wird als sein Vorgänger. Er betrachtet übermäßige Forward Guidance als Glaubwürdigkeitsrisiko. Das bedeutet, dass seine erste Pressekonferenz nach der Sitzung wahrscheinlich kürzer und weniger vorschreibend sein wird. Für Märkte, die an Powells detaillierte Fahrpläne gewöhnt sind, könnte allein dieser Wechsel Volatilität auslösen. Die Lockerungstendenz der Fed könnte vollständig aus der Erklärung verschwinden – eine Interpretation, die als hawkisch aufgefasst würde.
Wo Krypto Rückenwind sieht
Trotz der hawkischen kurzfristigen Lage bringt Warsh klare positive Aspekte für Krypto. Er vertritt eine Anti-CBDC-Position und zeigt Offenheit für Stablecoin-Gesetzgebung. Der klarste Rückenwind für Krypto aus seiner Amtszeit ergibt sich aus der Aufsicht über Stablecoins und Genehmigungen für Banken zur Ausgabe tokenisierter Vermögenswerte. Das könnte die institutionelle Adoption ankurbeln, selbst wenn die Zinspolitik straff bleibt.
Derzeit liegt der unmittelbare Fokus des Marktes auf dem Dot Plot und der Erklärung vom Mittwoch. Die Fed-Entscheidung trifft am Donnerstagnachmittag ein. Die Unterzeichnung des Iran-Abkommens am Freitag könnte dann die Ölaussichten neu ausrichten. Krypto sitzt in den Gegenwinden.




