Der Chef der Mizuho Financial Group drängt die Bank of Japan zu einer aggressiven Zinserhöhung – ein Schritt, der nach seiner Argumentation dem schwächelnden Anleihemarkt des Landes neues Leben einhauchen würde. In einem öffentlichen Aufruf, der unter Japans Bankenchefs heraussticht, erklärte der Mizuho-CEO, dass eine mutige Zinserhöhung den Yen stärken, die globalen Anleihemärkte umgestalten und die Art und Weise verändern könnte, wie japanische Anleger ihr Geld im Ausland anlegen.
Das Plädoyer für einen größeren Schritt
Die japanische Zentralbank hat sich langsam von ihrer langjährigen ultra-lockeren Geldpolitik entfernt, aber der Mizuho-Chef hält dies für nicht ausreichend. Er plädiert für eine stärkere Erhöhung, als die Märkte derzeit erwarten. Die Logik dahinter: Höhere Zinsen würden japanische Staatsanleihen attraktiver machen und Käufer zurück in einen Markt locken, der durch jahrelange Zinskurvenkontrolle verzerrt wurde. Eine Wiederbelebung des Anleihemarkts, so argumentiert er, würde zur Stabilisierung des Finanzsystems beitragen und den Anlegern ein klareres Signal für die Preisbildung von Risiken geben.
Eine Zinserhöhung dieser Größenordnung würde nicht an Japans Grenzen haltmachen. Ein stärkerer Yen würde sich auf die Devisenmärkte auswirken, möglicherweise die Gewinne der Exporteure schmälern, während Importe billiger würden. Im Ausland könnten Anleger, die japanische Anleihen halten, steigende Renditen verzeichnen, müssten aber auch mit Währungsrisiken durch einen plötzlich teurer zu hedgenden Yen rechnen.
Japanische Institutionen – Pensionsfonds, Versicherungen und Privatanleger – gehören zu den weltweit größten Käufern ausländischer Vermögenswerte. Wenn die BOJ die Zinsen entschlossen anhebt, könnte ein Teil dieses Geldes im Inland bleiben, angelockt von höheren heimischen Renditen. Diese Verschiebung würde Kapital aus US-Staatsanleihen, europäischen Staatsanleihen und Schwellenländeranleihen abziehen und die Kreditkosten für Regierungen und Unternehmen weltweit erhöhen.
Jahrelang haben Japans niedrige Zinsen einen massiven Carry-Trade befeuert, bei dem Anleger günstige Yen leihen, um anderswo höher rentierende Vermögenswerte zu kaufen. Ein mutiger Schritt der BOJ würde diese Strategie auf den Kopf stellen. Der Yen würde sich wahrscheinlich im Zuge der Auflösung des Trades verstärken, und gehebelte Positionen könnten unter Druck geraten. Die Auswirkungen auf die globalen Aktien- und Anleihemärkte könnten plötzlich eintreten, auch wenn der Mizuho-CEO argumentiert, dass dies ein notwendiger Neustart sei.
Die Debatte in Japan
Nicht alle in Tokios Finanzwelt stimmen diesem Aufruf zu. Einige befürchten, dass eine zu schnelle Erhöhung eine fragile wirtschaftliche Erholung abwürgen könnte. Die Inflation liegt seit Monaten über dem 2%-Ziel der BOJ, aber das Lohnwachstum – eine Schlüsselbedingung für eine anhaltende Straffung – bleibt lückenhaft. Die Zentralbank hat betont, dass sie schrittweise und datengestützt vorgehen wird.
Die Äußerungen des Mizuho-CEOs erhöhen den Druck auf die BOJ, bei ihren bevorstehenden Sitzungen entschlossener zu handeln. Vorerst hat die Zentralbank ihren Leitzins nahe Null gehalten, aber die Märkte rechnen mit mindestens einer weiteren Erhöhung in diesem Jahr. Die Frage ist, wie mutig diese Erhöhung ausfallen wird – und ob der Anleihemarkt den von Mizuho-Chef erhofften Auftrieb erhält.




