Bitcoin-Miner verfügen über eine geplante Stromkapazität von 27 Gigawatt und haben KI-bezogene Deals im Wert von 90 Milliarden Dollar abgeschlossen, so Branchendaten. Diese Kombination verschafft ihnen einen strategischen Vorteil, da Strom zum Hauptbremsklotz für den Ausbau von Rechenzentren wird – ein Trend, der die Rangordnung sowohl in der Krypto- als auch in der Computerbranche neu ordnet.
Stromressourcen der Miner werden zu begehrten Immobilien
Die Zahlen sind gewaltig: 27 GW geplante Stromkapazität entsprechen in etwa der Leistung von 27 Kernreaktoren. Die Miner besitzen bereits das Land, die Umspannwerke und die behördlichen Genehmigungen, um diese Strommenge zu beziehen – Vermögenswerte, die KI-Unternehmen jetzt begehren. Während Hyperscaler Jahre für den Bau neuer Übertragungsleitungen bräuchten, können Miner oft innerhalb von Monaten einen GPU-Cluster anschließen.
Deshalb ist die 90-Milliarden-Dollar-Zahl nicht nur eine Worthülse. Sie repräsentiert tatsächliche Verträge und Joint Ventures, bei denen Miner Flächen vermieten oder Strom an KI-Firmen verkaufen. Die Deals reichen von Co-Location-Vereinbarungen bis hin zu vollständigen schlüsselfertigen Rechenzentren auf Mining-Geländen.
Die KI-Deal-Pipeline
Die 90 Milliarden Dollar an KI-Deals sind nicht gleichmäßig verteilt. Eine Handvoll großer börsennotierter Miner – Namen wie Marathon, Riot Platforms und Core Scientific – haben mehrjährige Verträge mit KI-Startups und Cloud-Anbietern abgeschlossen. Andere befinden sich noch in Verhandlungen und nutzen ihre Strompipeline als Druckmittel.
Der Wandel ist strategisch. Das reine Mining von Bitcoin hat dünne Margen und ist von volatilen Kryptopreisen abhängig. Das Vermieten von Strom an KI-Kunden bietet eine stabilere Einnahmequelle. Einige Miner haben bereits angekündigt, bis Ende 2026 mehr als die Hälfte ihrer Kapazität für KI-Workloads bereitzustellen.
Warum Strom jetzt entscheidend ist
Das Wachstum von Rechenzentren stößt an eine Grenze – nicht wegen fehlender Chips oder Kapital, sondern wegen fehlender Stromversorgung. In vielen Regionen sind die Warteschlangen für Netzanschlüsse um Jahre zurückgestaut. In Nord-Virginia, dem größten Rechenzentrumsmarkt der Welt, müssen neue Projekte mit einer fünfjährigen Wartezeit auf Übertragungskapazität rechnen.
Miner umgehen diesen Engpass. Sie haben bereits die Netzanschlüsse gesichert, oft zu Schnäppchenpreisen aus dem Krypto-Bärenmarkt von 2022–23. Dieses Timing war nicht geplant, hat sich aber ausgezahlt. Jetzt halten sie Vermögenswerte, die plötzlich stark nachgefragt werden.
Der Trend beschränkt sich nicht auf die USA. Miner in Norwegen, Texas und dem Nahen Osten erhalten Anfragen von KI-Unternehmen, die sofortigen Stromzugang suchen. Einige stellen das Bitcoin-Mining ganz ein, um sich auf die Hosting von GPUs zu konzentrieren.
Der wahre Test wird kommen, wenn die geplanten 27 GW tatsächlich ans Netz gehen. Netzengpässe, Geräteverzögerungen und lokaler Widerstand könnten den Fortschritt bremsen. Doch vorerst haben die Miner einen Platz am Tisch – und die nötige Stromversorgung, um ihn zu untermauern.




