Europäische Vermögensverwalter stellen Fragen dazu, ob die Geschäftstätigkeit von SpaceX den Nachhaltigkeitsregeln der Region entspricht, und werfen damit einen Schatten auf den mit Spannung erwarteten Börsengang des Unternehmens. Die Bedenken könnten zu einer ungleichen globalen Nachfrage nach dem Angebot führen, wobei europäische Fonds möglicherweise abseits stehen, während US-amerikanische und asiatische Investoren einsteigen.
Nachhaltigkeitsprüfung vor dem Börsengang
SpaceX, das private Raketen- und Satellitenunternehmen unter der Leitung von Elon Musk, bereitet sich auf eine Börsennotierung vor, die von vielen als eine der größten der letzten Jahre erwartet wird. Doch im Vorfeld des Börsengangs hat eine Gruppe europäischer Vermögensverwalter – die Milliarden an verwalteten Vermögenswerten kontrollieren – begonnen, die Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien (ESG) des Unternehmens genauer zu prüfen.
Gemäß der EU-Offenlegungsverordnung für nachhaltige Finanzprodukte (SFDR) müssen Fondsmanager offenlegen, wie sie Nachhaltigkeitsrisiken in ihre Anlageentscheidungen einbeziehen. Unternehmen, die diese Kriterien nicht erfüllen, riskieren regulatorische Gegenmaßnahmen oder Reputationsschäden. Mit der Sache vertraute Quellen sagen, dass die Manager sich besonders auf die Raketenstarts von SpaceX konzentrieren, die große Mengen an Kohlendioxid und Ruß in die obere Atmosphäre emittieren.
SpaceX hat keinen umfassenden Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht oder sich Netto-Null-Ziele gesetzt – ein Gegensatz zu älteren Luft- und Raumfahrtkonkurrenten wie Airbus und Boeing. Ohne klare Daten können europäische Vermögensverwalter SpaceX nach eigenen Angaben nicht als nachhaltige Anlage im Rahmen ihrer internen Mandate einstufen.
Wie sich die Nachfrage über die Märkte hinweg spalten könnte
Es wird nicht erwartet, dass die Nachhaltigkeitsbedenken den Börsengang gefährden – die Einnahmen von SpaceX aus dem Starlink-Satelliteninternet und staatlichen Startverträgen sind stetig gewachsen. Sie könnten jedoch zu einer Spaltung der Nachfrage führen. US-amerikanische institutionelle Anleger waren in der Vergangenheit weniger durch ESG-Regeln eingeschränkt, während asiatische Staatsfonds Appetit auf wachstumsstarke Technologien gezeigt haben, unabhängig von deren grünen Referenzen.
Damit sind europäische Vermögensverwalter die potenzielle Schwachstelle im Orderbuch. Wenn sie abseits stehen, müssen die Konsortialbanken möglicherweise die Zuteilungen anpassen. Einige IPO-Banker haben bereits begonnen, sich bei nicht-europäischen Fonds zu erkundigen, ob diese die Lücke füllen können. Das Ergebnis könnte die Preisgestaltung und die Geschwindigkeit des Bookbuildings beeinflussen.
Ein europäischer Buy-Side-Analyst, der aufgrund der Vertraulichkeit des IPO-Prozesses nicht genannt werden wollte, beschrieb die Situation als „Compliance-Kopfschmerz“ für grenzüberschreitende Fondsgesellschaften. „Wir brauchen entweder die Daten oder eine Ausnahmegenehmigung“, sagte er. „Im Moment haben wir keins von beidem.“
Weitreichendere Auswirkungen für Raumfahrtunternehmen
Der Börsengang von SpaceX wird als Gradmesser für den Raumfahrtsektor beobachtet. Wenn die Nachfrage klar entlang der Nachhaltigkeitslinien gespalten ist, könnten andere private Raumfahrtunternehmen – wie Blue Origin oder Rocket Lab – ähnlichen Fragen gegenüberstehen, wenn sie in Europa an die Börse gehen. Die Prüfung geht über Emissionen hinaus: Satelliten-Megakonstellationen wie Starlink werfen Bedenken hinsichtlich Lichtverschmutzung, Weltraummüll und Funkfrequenzstörungen auf.
Die Regulierungsbehörden in der EU haben noch keine formellen Leitlinien dazu herausgegeben, wie Raumfahrtunternehmen im Rahmen der SFDR zu behandeln sind, aber die Vermögensverwalter drängen auf Klarheit. Ohne diese besteht das Risiko, dass die europäischen Kapitalmärkte einen schnell wachsenden Industriesektor faktisch ausschließen.
Die ungelöste Frage ist, ob SpaceX vor Beginn der IPO-Roadshow mit den Vermögensverwaltern in Kontakt treten wird. Ein Unternehmenssprecher reagierte nicht auf Anfragen um Stellungnahme. Für den Moment bleibt den Bankern nichts anderes übrig, als ein Buch auszugleichen, das in Frankfurt möglicherweise ganz anders aussieht als in New York.




