Major League Soccer positioniert die Weltmeisterschaft 2026 als mehr als nur ein einmonatiges Spektakel. Am 8. Juni stellten Vertreter der Liga das Turnier öffentlich als langfristigen Wachstumsmotor dar – einen, der die Zuschauerzahlen steigern, Investitionen in die Infrastruktur vorantreiben und auch nach dem Schlusspfiff noch lukrativere Medienverträge ermöglichen soll.
Ein Turnier, das über das Turnier hinausreicht
Die WM 2026 wird die erste mit 48 Teams sein und gemeinsam von den USA, Kanada und Mexiko ausgerichtet. Für die MLS bedeutet das drei Gastgeberländer, Dutzende Spiele auf nordamerikanischem Boden und – so die Überzeugung der Liga – einen nachhaltigen Impuls für ihr Geschäft. Statt das Ereignis als einmalige Marketinggelegenheit zu betrachten, blickt die MLS weit über das Jahr 2026 hinaus. Der Gedanke dahinter: Eine erfolgreiche Weltmeisterschaft kann die Wahrnehmung von Gelegenheitsfans für den heimischen Fußball verändern und sie noch lange nach Abreise der internationalen Stars in die lokalen Stadien locken.
Zuschauerzahlen und Infrastruktur
Die Zuschauerzahlen der MLS sind im letzten Jahrzehnt stetig gestiegen, doch die Liga liegt im durchschnittlichen Spieltagsbesuch immer noch hinter anderen großen US-Sportarten zurück. Die WM 1994 gab der damals noch jungen MLS ein Fundament; die Ausgabe 2026 wird als Katalysator für die nächste Phase angepriesen. Mehrere MLS-Klubs bauen oder renovieren bereits Stadien, oft mit Blick auf die Ausrichtung von WM-Spielen oder Trainingslagern. Die Darstellung der Liga legt nahe, dass diese Investitionsprojekte nicht nur für 2026 gedacht sind – sie sollen den Teams jahrzehntelang dienen und Fans mit besseren Sichtlinien, Annehmlichkeiten und Gesamterlebnissen anziehen.
Medienverträge in der Zukunft
Medienrechte sind ein weiterer Baustein. Die MLS hat derzeit einen Zehnjahresvertrag mit Apple TV im Wert von angeblich 2,5 Milliarden US-Dollar, doch die Liga sieht die WM als Chance, ihr Publikum zu erweitern und letztlich höhere Gebühren von Sendepartnern zu verlangen. Die Überlegung ist einfach: Mehr Menschen, die während der WM Fußball schauen, bedeuten mehr potenzielle Abonnenten für MLS Season Pass und mehr Verhandlungsmasse bei der nächsten Runde der Rechteverhandlungen. Ob diese Wette aufgeht, hängt davon ab, wie gut die Liga vorübergehendes Interesse in dauerhafte Zuschauerzahlen umwandeln kann.
Nicht alle sind überzeugt. Einige Kritiker argumentieren, dass frühere Weltmeisterschaften nur kurzfristige Schübe für heimische Ligen anderswo gebracht hätten – die englische Premier League wuchs bereits vor 1966, und der Aufschwung der Bundesliga nach 2006 flaute innerhalb weniger Jahre ab. Die MLS setzt darauf, dass die andersartige Medienlandschaft und die jüngere Demografie Nordamerikas diesmal zu einem anderen Ergebnis führen.
Fürs Erste ist die Strategie der Liga klar: die WM 2026 als Startrampe nutzen, nicht als Ziellinie. Der wahre Test kommt erst 2027 oder 2028, wenn die WM-Massen sich verzogen haben und die Frage bleibt, ob diese neuen Fans wiedergekommen sind.




