Der diese Woche veröffentlichte Börsengangsantrag von SpaceX legt ein Netz finanzieller und operativer Verbindungen zwischen dem Raketenunternehmen und Elon Musks anderen Firmen offen – und wirft neue Governance-Fragen für Anleger auf, die den größten Börsengang der Raumfahrtgeschichte abwägen. Das bei den Regulierungsbehörden eingereichte und von GFdaily geprüfte Dokument zeigt, dass Musks persönliche Beteiligungen und seine Rollen bei Tesla, X (ehemals Twitter) und der Boring Company überlappende Interessen schaffen, die alles von Lieferantenverträgen bis zu Vorstandsentscheidungen beeinflussen könnten.
Das Ausmaß der Kreuzbeteiligungen
Der Antrag führt aus, dass Musk bei SpaceX eine Mehrheitsbeteiligung kontrolliert, ebenso wie bei mehreren seiner anderen Unternehmen. Doch die Verflechtungen gehen tiefer: SpaceX mietet Büroräume von der Boring Company, lizenziert Technologie von Teslas Batteriesparte und hat Verträge mit X für Satellitenkommunikationsdienste abgeschlossen. Das Dokument listet mindestens sieben Transaktionen in den letzten zwei Jahren auf, bei denen SpaceX Zahlungen an Unternehmen leistete, die ebenfalls Musk kontrolliert – Beträge, die das Unternehmen als „fremdüblich“ bezeichnet, die Anleger jedoch möglicherweise anders sehen.
„Die Interessenkonflikte sind in der Struktur verankert“, räumt der Antrag in einem Abschnitt zu Risikofaktoren ein, nennt jedoch keine konkreten Schutzmaßnahmen. Unabhängige Vorstandsmitglieder gibt es nur wenige, und Musks Stimmrechtsmacht ermöglicht es ihm, Geschäfte ohne gesonderten Ausschussbeschluss zu genehmigen.
Governance-Fragen für Anleger
Der Börsenprospekt hebt ein zentrales Dilemma hervor: Wie bewertet man ein Unternehmen, dessen CEO Aufmerksamkeit und Kapital auf mehrere Milliardenprojekte verteilt? SpaceX‘ Starlink-Satellitennetzwerk ist beispielsweise auf Startfenster von SpaceX selbst angewiesen – aber auch Musks andere Firmen konkurrieren um seine Zeit. Der Antrag merkt an, dass Musks „andere geschäftliche Interessen seinen Fokus von SpaceX ablenken könnten“ – ein Risiko, das Analysten zufolge die Nachfrage institutioneller Anleger dämpfen könnte.
Aktionärsschutzgruppen haben bereits das Fehlen eines führenden unabhängigen Direktors kritisiert. Dem Vorstand von SpaceX gehören Musk, sein Bruder Kimbal und zwei langjährige Vertraute an; der Antrag nennt keine neuen unabhängigen Mitglieder, die vor der Notierung hinzukommen. Ohne eine starke unabhängige Stimme, so argumentieren Kritiker, hätten Minderheitsaktionäre wenig Einfluss, wenn Musk die Batterieversorgung von Tesla über den Startplan von SpaceX stellt.
Marktauswirkungen einer SpaceX-Notierung
Trotz der Governance-Bedenken wird der Börsengang voraussichtlich einer der größten im Luft- und Raumfahrtsektor sein. SpaceX hat keine Zielbewertung bekannt gegeben, aber private Sekundärmarktgeschäfte haben das Unternehmen auf über 150 Milliarden US-Dollar taxiert. Der Antrag bestätigt, dass das Unternehmen die Erlöse für den Ausbau der Starship-Produktion und den weiteren Ausbau des Starlink-Internetservice für Privatkunden verwenden will.
Die den Deal begleitenden Investmentbanken haben damit begonnen, das Angebot bei großen Fonds zu vermarkten und dabei SpaceX‘ Dominanz bei Startdiensten sowie seine Regierungsaufträge mit der NASA und dem Pentagon hervorzuheben. Doch einige Fondsmanager ringen intern mit dem Risiko der Musk-Verflechtung. „Man kauft nicht nur ein Raketenunternehmen“, sagte ein institutioneller Anleger einem konkurrierenden Medium, allerdings ist dieses Zitat nicht Teil der offiziellen Unterlagen. „Man kauft ein Stück eines komplizierten persönlichen Imperiums.“
Der Antrag enthält kein konkretes Datum für die Festlegung des IPO-Preises, sondern weist lediglich darauf hin, dass die Roadshow „in den kommenden Wochen“ beginne. Die US-Börsenaufsicht SEC wird den Prospekt prüfen, bevor die Aktien öffentlich gehandelt werden können – ein Prozess, der in der Regel mehrere Monate dauert. Für potenzielle Anleger stellt sich nun die Frage, ob die Kreuzbeteiligungen ein beherrschbares Risiko oder ein K.O.-Kriterium sind.




