Die gesetzliche Frist für endgültige Stablecoin-Regeln gemäß dem GENIUS Act war am 18. Juli 2026 erreicht und verstrichen, ohne dass ein einheitlicher Regulierungsrahmen vorlag. Stattdessen haben Bundesbehörden wichtige Kommentarfristen bis Ende August verlängert, sodass Banken, Nichtbanken-Emittenten und Handelsplattformen in einer Warteschleife verharren.
Was der GENIUS Act vorsah
Der GENIUS Act setzte eine Frist zum 18. Juli 2026 für endgültige Regeln für Stablecoin-Emittenten. Das Gesetz zielte darauf ab, ein bundesstaatliches Lizenzierungssystem für Zahlungs-Stablecoins zu schaffen, mit Anforderungen an Reserven, Rücknahme und Geldwäschebekämpfung. Doch bis zu diesem Datum wurde kein endgültiges Regelpaket veröffentlicht.
Stattdessen veröffentlichte das Office of the Comptroller of the Currency am 22. Juni 2026 einen 39-seitigen Notice of Proposed Rulemaking (NPRM) zur Umsetzung von Teilen des GENIUS Act. Dieser NPRM ist noch zur Kommentierung offen, und die Uhr für eine endgültige Regelung hat noch nicht zu ticken begonnen.
Die bisherigen Regelungsvorschläge
Zwei große NPRMs befinden sich nun in der Pipeline. Der erste, allein vom OCC, betrifft aufsichtsrechtliche Standards für Stablecoin-Emittenten. Der zweite ist ein behördenübergreifender Vorschlag für ein Customer Identification Program (CIP) von FinCEN, OCC, Federal Reserve, FDIC und NCUA. Dieser CIP-NPRM richtet sich an das, was die Aufsichtsbehörden 'Permitted Payment Stablecoin Issuers' nennen, und hat eine Kommentarfrist bis zum 21. August 2026.
Die FDIC veröffentlichte ebenfalls einen eigenen GENIUS-bezogenen NPRM zur Einhaltung des Bank Secrecy Act und von Sanktionen, mit Kommentarfrist bis zum 4. August 2026. Angesichts mehrerer Kommentarfristen, die bis Ende August reichen, ist ein koordiniertes endgültiges Paket vor diesem Zeitpunkt unwahrscheinlich.
Marktkontext und Unsicherheit der Branche
Der Stablecoin-Markt hat nicht auf Klarheit gewartet. Zum 19. Juli 2026 lag die gesamte Marktkapitalisierung von Stablecoins bei rund 310,115 Milliarden US-Dollar. Allein Tethers USDT macht etwa 184,057 Milliarden US-Dollar aus, während Circles USDC 73,379 Milliarden US-Dollar hält. Dahinter stehen reale Dollar, die echte Token stützen, und die Unternehmen dahinter arbeiten unter vorläufigen Erwartungen statt unter endgültigen Regeln.
Banken, die Stablecoins ausgeben möchten, stehen vor Unsicherheit hinsichtlich der Kapitalbehandlung und Verwahrregeln. Nichtbanken-Emittenten wie Circle und Paxos beobachten den NPRM des OCC auf Hinweise, ob sie umstrukturieren müssen. Handelsplattformen, die Stablecoins listen, warten auf die CIP-Regel, um zu erfahren, welche Sorgfaltspflichten bei Kunden erforderlich sein werden.
Was als Nächstes passiert
Die Kommentarfrist für den BSA-NPRM der FDIC endet am 4. August. Der behördenübergreifende CIP-NPRM endet am 21. August. Danach muss jede Behörde die Kommentare prüfen, die Vorschläge möglicherweise überarbeiten und dann endgültige Regeln erlassen. Dieser Prozess dauert in der Regel Monate, nicht Wochen.
Die Frage ist nun, ob die Behörden die endgültigen Regeln gestaffelt veröffentlichen oder in einem einzigen Paket bündeln werden. So oder so: Die Frist vom 18. Juli ist verstrichen, und die Branche wartet weiter.



