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Analyst hinterfragt XRP-Rolle als reiner Gas-Token bei globaler XRPL-Adoption

Analyst hinterfragt XRP-Rolle als reiner Gas-Token bei globaler XRPL-Adoption

Am 7. Mai stellte der Analyst Iso Ledger auf X eine hypothetische Frage, die direkt zum Kern des Wertversprechens von XRP vordringt: Was passiert mit dem Token, wenn die gesamte Welt das XRP Ledger übernimmt und Transaktionen mit dem RLUSD-Stablecoin abwickelt? Ledges Antwort: XRP würde hauptsächlich als Gas-Token fungieren – eine Nutzungsgebühr anstelle einer Brückenwährung.

Das hypothetische Szenario

Ledger stellte die Frage als Gedankenexperiment: Wenn alle grenzüberschreitenden Zahlungen, Handelsabwicklungen und Treasury-Operationen auf dem XRPL mit RLUSD durchgeführt würden, wäre die einzige Aufgabe von XRP die Zahlung von Transaktionsgebühren. Dies steht im klaren Gegensatz zu seiner aktuellen Positionierung als Liquiditätsbrücke. Aktuell gewinnt XRP an Nachfrage, wenn es genutzt wird, um Wert zwischen zwei Währungen oder Vermögenswerten zu transferieren, die keine direkten Handelspaare haben – zum Beispiel wenn ein japanischer Pensionsfonds einem brasilianischen Lieferanten durch den Transfer von Wert zwischen OUSG und einem BRL-Stablecoin bezahlt.

Ledges Szenario geht jedoch davon aus, dass die Liquidität für alle auf dem XRPL gehandelten Vermögenswerte so stark zunimmt, dass direkte Handelspaare zur Norm werden. XRP müsste dann nicht mehr als Vermittler fungieren. Unter diesen Bedingungen würde die Nachfrage nach dem Token dramatisch schrumpfen.

Nachfragetreiber und Risiken

Der Analyst stellte zwei mögliche Zukunftsszenarien dar. Entweder wird XRP teuer genug, um große institutionelle Abwicklungen zu ermöglichen – einen Anwendungsfall mit hohem Wert bei geringem Volumen, der seine Relevanz bewahren könnte. Oder es bleibt preislich niedrig, bei etwa 2 USD, mit entsprechend geringer Nachfrage. Keines der beiden Szenarien ist gewiss, und beide hängen davon ab, wie schnell sich die Liquidität auf dem XRPL konzentriert.

Das Risiko besteht darin, dass XRP seinen primären Nachfragetreiber verliert, sobald sich direkte Handelspaare verbreiten. Es würde zu einem Commodity-Token werden, dessen Wert stärker von der Netzwerkbelastung als von der Kapitalvermittlung abhängt.

Ein vorgeschlagener Lösungsansatz für das XRP-Angebot

Eine bereits in Arbeit befindliche Lösung ist XLS-66D, ein vorgeschlagenes Leihprotokoll auf dem XRPL, das das XRP-Angebot binden könnte. Bei Erfolg würde dies die zirkulierende Stückzahl reduzieren – und selbst ohne einen Anstieg der transaktionsbasierten Nachfrage könnten die Preise steigen. Das Protokoll ist noch ein Vorschlag, zieht aber die Aufmerksamkeit von Inhabern auf sich, die sehen wollen, dass der Token genutzt und nicht nur gehalten wird.

Doch das Binden des Angebots entspricht nicht dem Schaffen von Nachfrage. Ein Leihprotokoll benötigt Schuldner. Ob Institutionen XRP in nennenswerten Mengen leihen werden, bleibt eine offene Frage.

Institutionelle Unterstützung und ETFs

Außerhalb dieses hypothetischen Szenarios fließt bereits echtes Kapital in XRP. Goldman Sachs investierte 152 Millionen US-Dollar in den Token. Es existieren XRP-ETFs, die Privat- und Institutionalanlegern einen regulierten Weg bieten, Exposure zu gewinnen. Diese Fakten beantworten Ledges Frage nicht, zeigen aber, dass Großinvestoren auf mehr als nur Gas-Gebühren setzen.

Dennoch berührt der Beitrag des Analysten eine grundlegende Spannung: Je erfolgreicher das XRPL als Abwicklungsschicht wird, desto weniger benötigt das Netzwerk seinen native Token möglicherweise für andere Zwecke als Gebühren. Und falls dies eintritt, ändert sich das Preisnarrativ vollständig.