Morgan Stanley ist die erste US-Bank, die ein eigenes börsengehandeltes Bitcoin-Produkt emittiert. Das diese Woche gestartete Bitcoin-ETP bietet Kunden eine direkte Möglichkeit, Bitcoin-Exposure über ein Produkt zu erhalten, das durch die eigene Bilanz der Bank abgesichert ist – ein Schritt über die bisher dominierenden Drittanbieter-Fonds und Trusts hinaus.
Was das ETP bietet
Das Produkt ist als ETP strukturiert, d. h. es wird wie eine Aktie an einer Börse gehandelt. Im Gegensatz zu früheren Bitcoin-Trusts oder ETFs von Vermögensverwaltern wie Grayscale oder BlackRock trägt dieses den Namen von Morgan Stanley als Emittent. Das verändert das Risikoprofil: Die Bank haftet für Verwahrung und betriebliche Solidität, nicht nur als passiver Sponsor. Für Kunden bedeutet dies die gleiche regulatorische Aufsicht und die gleichen Kapitalanforderungen, die für jedes Morgan-Stanley-Wertpapier gelten.
Oldenburgs Zurückhaltung
Amy Oldenburg, Leiterin der Digital Assets-Abteilung der Bank, würdigte den Meilenstein, widersprach jedoch der Annahme, dass dies einen sofortigen Ansturm auf die Aufnahme von Bitcoin in Bankbilanzen signalisiere. Sie erklärte, eine solche Aufnahme sei langfristig unvermeidlich, aber nicht unmittelbar bevorstehend. Die von ihr genannten Hürden: die Bereitschaft der Berater – viele Finanzberater fühlen sich immer noch nicht wohl dabei, Kryptowährungen zu empfehlen; regulatorische Klarheit – die SEC und die Bankenaufsicht haben noch keine klaren Regeln für von Banken gehaltene Kryptowährungen festgelegt; und die Bilanzbereitschaft – Banken müssen Kapitalkosten und Liquiditätsanforderungen für volatile Vermögenswerte modellieren, bevor sie diese direkt halten.
Warum die Bankemission wichtig ist
Jahrelang haben Banken Kryptowährungen über Verwahrungsdienste oder als Vertreiber von Drittanbieter-Produkten angeboten. Indem Morgan Stanley das ETP selbst emittiert, übernimmt die Bank das Underwriting- und Betriebsrisiko. Das signalisiert ein institutionelles Engagement, das kleinere Akteure bisher nicht bieten konnten. Es setzt auch Wettbewerber wie JPMorgan und Goldman Sachs unter Druck, mit eigenen Produkten zu reagieren – oder zu erklären, warum sie an der Seitenlinie bleiben.
Oldenburgs Kommentare machen deutlich, dass dieses ETP eine Brücke und kein Endziel ist. Die Bank wird nun die Schulung der Berater und den regulatorischen Dialog vorantreiben, die nötig sind, um Bitcoin irgendwann in den eigenen Büchern zu halten. Ein Zeitplan wurde nicht genannt, aber die Einführung selbst verschafft Morgan Stanley einen First-Mover-Vorteil im Bereich der von Banken emittierten Krypto-Produkte – einen Vorteil, auf den die Konkurrenz eine Antwort finden muss.




