Visa und Mastercard haben leise den Betrieb in Syrien wieder aufgenommen und damit eine 15-jährige Abwesenheit beendet, die die meisten internationalen Zahlungsdienste im Land unterbrochen hatte. Der Schritt, den die Unternehmen in den letzten Tagen bestätigten, öffnet einen Kanal für grenzüberschreitende Transaktionen, der seit 2009 eingefroren war.
Warum die Karten nicht mehr funktionierten
Beide Netzwerke zogen sich 2009 aus Syrien zurück, als die USA Sanktionen verhängten und die internationale Gemeinschaft die Finanzströme zur Assad-Regierung verstärkt bekämpfte. Damals verschärfte das Office of Foreign Assets Control (OFAC) des US-Finanzministeriums die Beschränkungen, sodass es für Visa und Mastercard nahezu unmöglich wurde, Zahlungen über syrische Banken abzuwickeln. Die Aussetzung ließ die Syrer auf Bargeld, informelle Geldtransfernetzwerke und eine Handvoll lokaler Debitkarten angewiesen, die im Ausland kaum funktionierten.
Was der Neustart bedeutet
Die Wiederaufnahme bedeutet keinen vollständigen Zugang zu westlichen Finanzsystemen. Visa und Mastercard nehmen den Betrieb in begrenztem Umfang wieder auf, wahrscheinlich über Drittanbieter-Abwickler oder nicht sanktionierte lokale Banken. Vorerst werden die Netzwerke eingehende Transaktionen abwickeln – Touristen und Diaspora, die Geld nach Hause schicken – und nicht ausgehende Ausgaben von Syrern. Das ist ein vorsichtiger erster Schritt angesichts des noch immer bestehenden Flickenteppichs von Sanktionen.
Syrer mit internationalen Karten könnten diese bald in Hotels, bei Fluggesellschaften und großen Einzelhändlern nutzen können. Unternehmen, die auf ausländische Kunden angewiesen sind, werden am meisten profitieren. Die überwältigende Mehrheit der Syrer, deren Löhne in abgewerteter Landeswährung gezahlt werden, wird die Veränderung im Alltag jedoch nicht spüren.
Die regulatorische Lücke
Keines der Unternehmen hat offengelegt, ob es eine ausdrückliche Genehmigung von US- oder EU-Regulierungsbehörden erhalten hat. Visa und Mastercard stützen sich wahrscheinlich auf allgemeine Lizenzen oder Ausnahmen für humanitäre Transaktionen, aber die Details bleiben undurchsichtig. Die syrische Zentralbank hat keine Stellungnahme abgegeben, und die Unternehmen selbst halten sich über den genauen Umfang der Dienste bedeckt.
Dieses Schweigen wirft Fragen auf. Ohne klare Richtlinien gehen Banken und Händler in Syrien rechtliche Risiken ein. Eine einzige falsch interpretierte Transaktion könnte Geldstrafen oder Sanktionsrisiken auslösen. Die Lage ist heikel: Syrien bleibt unter umfassenden US- und EU-Sanktionen, auch wenn einige Beschränkungen für bestimmte Sektoren wie Lebensmittel und Medizin gelockert wurden.
Was als Nächstes kommt
Visa und Mastercard haben keinen Zeitplan für die Ausweitung der Dienste bekannt gegeben. Vorerst ist die Wiederaufnahme ein erster Fuß in der Tür – ein Signal, dass die Zahlungsnetzwerke genügend Stabilität im regulatorischen Umfeld Syriens sehen, um die Lage zu testen. Aber bis die Unternehmen klare Bedingungen für syrische Banken und Händler veröffentlichen, wird sich die tatsächliche Auswirkung nur schwer messen lassen.




