Das am Mittwoch veröffentlichte Protokoll der Fed-Sitzung vom April offenbarte die tiefste interne Spaltung seit drei Jahrzehnten – vier Währungshüter stimmten dagegen, die meisten seit 1992 – während eine Mehrheit der Teilnehmer erklärte, dass ein gewisses Maß an weiterer Straffung wahrscheinlich angemessen wäre, falls die Inflation dauerhaft über dem 2%-Ziel bleibt. Die Fed hielt ihren Leitzins unverändert bei 3,50 % bis 3,75 %, doch die falkenhafte Sprachverschiebung verändert bereits die Aussichten für risikobehaftete Vermögenswerte: Bis zum 20. Mai zeigte der CME FedWatch eine Wahrscheinlichkeit von 54,1 % für eine Zinserhöhung bis Dezember und nur eine 1,5 %-Chance auf eine Lockerung – eine vollständige Umkehr früherer Erwartungen von Zinssenkungen.
April-Protokoll: Ein Ausschuss schwenkt nach rechts
Die Sitzung vom 28.–29. April war die erste unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh, der Jerome Powell ablöste, wobei sich der Ausschuss um einen falkenhafteren Schwerpunkt neu ausrichtete. Mehrere Teilnehmer wollten die Sprache zur Lockerungstendenz aus der offiziellen Erklärung ganz streichen, heißt es im Protokoll. Die Wende wurde maßgeblich durch die Iran-Situation vorangetrieben, die die Energiepreise auf über 110 Dollar pro Barrel trieb und die Inflationsmaße über 3 % steigen ließ. Der Verbraucherpreisindex (CPI) lag im April bei 3,8 % und damit deutlich über dem Fed-Ziel.
Die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen erreichte am 15. Mai 4,54 % – ein 12-Monats-Hoch –, als die Neubewertung der Zinserwartungen an Fahrt gewann.
Warum die falkenhafte Wende Bitcoin am härtesten trifft
Bitcoins Sensitivität gegenüber der Fed-Politik hängt in erster Linie mit der Liquidität zusammen. Erwartete Zinssenkungen machen Geld billiger und stützen risikoreiche Anlagen wie Bitcoin; erwartete Zinserhöhungen bewirken das Gegenteil. Coinbase-Analysten merkten an, dass eine nachhaltige Ausweitung der Bitcoin-Preisspanne wahrscheinlich entweder eine deutliche Verbesserung der systemischen Liquidität oder einen eindeutigen Abwärtstrend bei der Inflation erfordern würde – beides ist derzeit nicht in Sicht. Der historische Präzedenzfall ist deutlich: Während des Zinserhöhungszyklus 2022 fiel Bitcoin von rund 69.000 Dollar auf 15.500 Dollar, als die Fed die Zinsen von nahe Null auf über 5 % anhob.
Fast 1 Milliarde Dollar floss in einer Woche aus Bitcoin-ETFs ab
In der Woche bis zum 15. Mai löste die Kombination aus der Eskalation im Iran, steigenden Renditen bei Staatsanleihen und sprunghaft gestiegenen Wahrscheinlichkeiten für Zinserhöhungen Abflüsse von fast 1 Milliarde Dollar aus Bitcoin-ETFs aus – ein Bruch des sechswöchigen Zuflusstrends. Dies deutet darauf hin, dass institutionelle Anleger sich bereits auf ein restriktiveres geldpolitisches Umfeld einstellen.
Eine Bewährungsprobe für Risikoanlagen im Vorfeld des Dezembers
Mit der nächsten Fed-Sitzung Mitte Juni wird der Markt genau beobachten, ob die Sprache weiter verhärtet wird. Die CME-FedWatch-Daten implizieren bereits eine 50:50-Chance auf eine Zinserhöhung bis Jahresende, und die Wahrscheinlichkeit einer Lockerung liegt praktisch bei null. Für Krypto-Händler wird der Liquiditätshahn nicht abgedreht – aber es wird nicht mehr erwartet, dass er sich bald weiter öffnet.




