Bitcoin-Börsengehandelte Fonds (ETFs) sollten die Anlageklasse in den Mainstream bringen, sie zugänglicher und damit nützlicher machen. Doch nach Meinung von Meltem Demirors, Gründerin und General Partner des Early-Stage-Fonds Crucible, ist das nicht passiert. Stattdessen argumentiert sie, dass der ETF-Boom etwas Tieferes ausgelöst hat – eine Identitätskrise für Bitcoin selbst.
Das ETF-Paradoxon
Demirors ist der Ansicht, dass der institutionelle Zugang über ETFs Bitcoin nicht nützlicher gemacht hat. Es hat ihn eher Wall-Street-hafter gemacht. Der ursprüngliche Pitch – ein Peer-to-Peer-System für elektronisches Bargeld außerhalb staatlicher Kontrolle – wird schwerer hörbar, wenn die größten Käufer Vermögensverwalter sind, die es in traditionelle Finanzprodukte verpacken. Die Folge? Eine wachsende Spannung zwischen dem, was Bitcoin sein sollte, und dem, was es wird.
Die Ironie entgeht ihr nicht. Der Mechanismus, der Millionen an Bord holen sollte, hat Krypto in seinen Augen in genau das System integriert, das es umgehen sollte. Diese Absorption, so sagt sie, ist die Quelle der Identitätskrise.
Ursprünge vs. Wall Street
Die Kluft zwischen den dezentralen Ursprüngen der Kryptowährung und der institutionell getriebenen Adoption wird größer. Auf der einen Seite stehen die Cypherpunks und Befürworter der Selbstverwahrung. Auf der anderen Seite BlackRock, Fidelity und eine wachsende Liste traditioneller Finanzriesen, die über regulierte Produkte Münzen kaufen. Demirors sieht darin einen grundlegenden Bruch.
Es ist nicht so, dass ETFs schlecht für den Preis wären – sie bringen eindeutig Kapital. Aber Kapital ist nicht gleich Nutzen. Wenn ETFs den Menschen nur erlauben, mit Bitcoin über ein Brokerage-Konto zu spekulieren, wirkt das ursprüngliche Versprechen eines erlaubnisfreien Finanznetzwerks wie ein nachträglicher Gedanke.
Crucibles Perspektive
Demirors ist keine Außenstehende Kritikerin. Ihre Firma Crucible investiert in frühe Krypto-Projekte. Sie ist lange genug im Bereich, um das Pendel von der Graswurzelbewegung zur Institutionalisierung schwingen zu sehen. Aus ihrer Sicht wird die Spannung so schnell nicht verschwinden.
Sie hat keine klare Lösung angeboten. Aber ihre Diagnose ist unverblümt: Bitcoins Identitätskrise ist real, und so zu tun, als ob sie nicht existierte, wird sie nicht verschwinden lassen. Die Frage ist nun, ob das Ökosystem sein Gründungsethos mit der Realität der Wall-Street-Umarmung versöhnen kann – oder ob beide weiterhin in entgegengesetzte Richtungen ziehen werden.




