Bitcoin stürzte am Mittwoch auf 65.404 US-Dollar, was 1,8 Milliarden US-Dollar an erzwungenen Liquidationen auslöste, nachdem ein Wochenend-Aufschwung auf 73.400 US-Dollar verpuffte und ein einst unerschütterlicher Käufer plötzlich zum Verkäufer wurde. Strategy – das Unternehmen, das früher als MicroStrategy bekannt war – verkaufte 32 Bitcoin für 2,5 Millionen US-Dollar, um Barausschüttungen und Dividenden seiner dauerhaften Vorzugsaktien zu finanzieren. Es ist das erste Mal seit Jahren, dass das Unternehmen seine Bestände öffentlich reduziert hat, und der Zeitpunkt könnte nicht schlechter sein: Spot-Bitcoin-ETFs haben in den letzten vier Wochen mehr als 4 Milliarden US-Dollar verloren, der aggressivste Rücknahmeyzyklus seit dem Launch der Produkte.
Strategys Verkauf erschüttert einen zentralen Narrativ
Über den Großteil dieses Zyklus war Strategy der sichtbarste institutionelle Akkumulator im Krypto-Bereich, kaufte fast wöchentlich Bitcoin und hält über 200.000 BTC. Diese Wahrnehmung – dass das Unternehmen ein permanenter, nicht verkaufender Käufer ist – half, die Stimmung über 70.000 US-Dollar zu verankern. Doch dieser Woche Verkauf, so klein er im Vergleich zu seinem Gesamtbestand auch sein mag, bricht diese Erzählung. Jeff Dorman, Chief Investment Officer bei Arca, stellte fest, dass die Vorstellung von Strategy als permanentem Käufer nun unter Druck steht. Einige Marktteilnehmer vermuten, dass das Unternehmen weitere Verkäufe tätigen könnte, um seine Bilanz aktiv zu steuern, insbesondere da sein Vorzugsaktien-Programm Dividendenverpflichtungen mit sich bringt.
ETF-Ausstieg und ein sich veränderndes Makro-Umfeld
Der Abfluss von 4 Milliarden US-Dollar aus Spot-Bitcoin-ETFs über vier Wochen signalisiert eine tiefgreifendere Rotation. Institutionelle Kapitalallokatoren verschieben Kapital in KI-bezogene Investments, ein Trend, der Geld aus Krypto-Fonds abzieht. Der Rückgang unter 70.000 US-Dollar ereignete sich zu einem verletzlichen Zeitpunkt: Der Unternehmenskassen-Narrativ war bereits ins Wanken geraten, und geopolitische Spannungen verstärkten den Druck. Spannungen um die Straße von Hormus und Irans Ablehnung von Atomgesprächen belasteten risikoreiche Assets insgesamt. Die Kern-PCE-Inflation im April entsprach mit 3,3 % im Jahresvergleich den Erwartungen, doch das beruhigte die Märkte nicht. Eine vorübergehende Entspannung trat ein, als Präsident Trump andeutete, die USA würden eine Seeblockade aufheben, doch die Erleichterung hielt nicht an.
Options-Markt bereitet sich auf eine tiefere Korrektur vor
Die Options-Positionierung zeigt eine zunehmende Nachfrage bei den Ausübungspreisen von 60.000 und 50.000 US-Dollar, was darauf hindeutet, dass Anleger sich auf einen weiteren Rückgang vorbereiten. Der Wochenend-Aufschwung auf 73.400 US-Dollar führte nicht zu nennenswerten Spot-Volumina, und die Erholungserzählung brach fast so schnell zusammen, wie sie aufgetaucht war. Da der Unternehmenskassen-Narrativ in Frage steht und ETF-Abflüsse beschleunigen, kalkuliert der Markt nun eine reale Chance ein, Niveaus zu erreichen, die seit Anfang 2026 nicht mehr gesehen wurden.
Die große offene Frage: Wird Strategy erneut verkaufen? Das Unternehmen hat keinen Wandel in seiner langfristigen Strategie signalisiert, doch der Dividendendruck ist real. Ein weiterer Verkauf, selbst ein kleiner, könnte den Verkaufsdruck verstärken. Derzeit beobachtet der Markt, wie ein ehemaliger Verbündeter zum potenziellen Verkäufer wird – und das verändert die Rechnung.




