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IMF-Vize warnt vor fragilen Anleihemärkten bei steigenden Renditen

IMF-Vize warnt vor fragilen Anleihemärkten bei steigenden Renditen

Gita Gopinath, die Erste stellvertretende Geschäftsführerin des Internationalen Währungsfonds, gab am Montag eine deutliche Warnung aus: Die Anleihemärkte werden fragil, während die Renditen und Zinssätze weiter steigen. Die steigenden Renditen signalisieren ein höheres Risiko für Anleger und könnten sich auf die globale Finanzstabilität und die Vermögensbewertungen auswirken, sagte sie in einer Rede, die die wachsende Unruhe an den Rentenmärkten unterstrich.

Warum Renditen Alarm auslösen

Die Anleiherenditen sind in den letzten Monaten allmählich gestiegen, angetrieben von der Erwartung, dass die Zentralbanken die Zinssätze zur Bekämpfung der Inflation hoch halten werden. Höhere Renditen bedeuten höhere Kreditkosten für Regierungen, Unternehmen und Haushalte. Das ist ein Problem für eine Weltwirtschaft, die sich noch immer an die höheren Zinssätze anpasst. Gopinaths Warnung erfolgte, als die Renditen von US-Staatsanleihen in der Nähe von Mehrjahreshochs verharrten und ähnliche Bewegungen auch bei europäischen und Schwellenländeranleihen zu beobachten waren.

Die stellvertretende IWF-Chefin nahm kein Blatt vor den Mund. Fragile Anleihemärkte, argumentierte sie, könnten Schocks verstärken. Wenn Anleger plötzlich fliehen, könnte sich der Ausverkauf selbst verstärken, die Renditen noch weiter in die Höhe treiben und die finanziellen Bedingungen schneller verschärfen, als die Zentralbanken beabsichtigen.

Was Fragilität für Anleger bedeutet

Für Portfoliomanager bedeuten fragile Anleihemärkte starke Kursschwankungen und geringere Liquidität. Das erschwert den Handel mit großen Positionen, ohne den Markt zu bewegen. Das Risiko beschränkt sich nicht nur auf die Rentenhandelstische. Fallende Anleihekurse – und steigende Renditen – setzen die Diskontsätze neu fest, die zur Bewertung von Aktien bis hin zu Immobilien verwendet werden. Wenn die Renditen weiter steigen, könnten die Aktienbewertungen einen Schlag erleiden, insbesondere bei Wachstumsaktien, die auf weit entfernte zukünftige Cashflows angewiesen sind.

Gopinath nannte keine bestimmten Sektoren oder Regionen, aber ihre Warnung gilt allgemein. Anleger, die langlaufende Anleihen halten, erleiden die größten Verluste, wenn die Renditen sprunghaft ansteigen. Und diejenigen, die auf Carry Trades setzen – sich günstig Geld leihen, um höher verzinste Anleihen zu kaufen – könnten unter Druck geraten, wenn die Volatilität zunimmt.

Globale Stabilität im Fadenkreuz

Die größere Sorge ist eine Ansteckung. Eine plötzliche Anleihenmarktrallye in einer großen Volkswirtschaft kann auf andere Länder übergreifen, wenn Kapitalströme umkehren und die Risikobereitschaft schwindet. Gopinath merkte an, dass fragile Märkte die Wahrscheinlichkeit eines destabilisierenden Ereignisses erhöhen, das die Zentralbanken möglicherweise nur schwer eindämmen können, ohne die Inflation neu zu entfachen. Der IWF warnt seit Monaten, dass die Normalisierung der Geldpolitik nach der Pandemie mit Gefahren behaftet ist, und ihre jüngsten Äußerungen verschärfen diese Botschaft.

Entwicklungsländer sind besonders anfällig. Viele haben sich während der Niedrigzinsphase stark in Dollar verschuldet; jetzt steigen ihre Schuldendienstkosten sprunghaft an. Wenn die globalen Renditen weiter steigen, könnten mehr von ihnen in eine Finanzierungsklemme geraten, was den Druck auf die eigenen Kreditressourcen des IWF erhöht.

Was die Märkte als Nächstes beobachten

Alle Augen richten sich nun auf die nächste Reihe von Wirtschaftsdaten und die Sitzungen der Zentralbanken. Die Federal Reserve und die Europäische Zentralbank haben beide signalisiert, dass sie die Zinssätze vorerst stabil halten könnten, aber eine hartnäckig hohe Inflation könnte sie zu einer Kehrtwende zwingen. Die Anleger werden jede Rede und jeden Inflationsdruck genau unter die Lupe nehmen, um Hinweise darauf zu erhalten, ob die Renditen ihren Höhepunkt erreicht haben – oder gerade erst richtig beginnen.

Gopinaths Warnung enthält keinen Zeitplan, aber sie bereitet die Bühne für einen nervösen Sommer an den Anleihemärkten. Der IWF wird seinen globalen Ausblick im nächsten World Economic Outlook, der für Juli erwartet wird, aktualisieren, der möglicherweise eine tiefergehende Bewertung der von ihr genannten Risiken enthalten wird.